Ersatzbeschaffung MZF wird "Zwei-Fahrzeug-Lösung"

05.10.2020

Ersatzbeschaffung für das Mehrzweckfahrzeug

Mit dem Beschluss des Marktrates am 05. Oktober 2020, das bisherige Mehrzweckfahrzeug durch eine Zwei-Fahrzeug-Lösung aus einem Einsatzleitwagen Typ 1 und einem abgewandelten Mannschaftstransportwagen zu ersetzen, geht der Beschaffungsprozess nun in die nächste Phase. Hinter uns liegen einige Jahre voller Überlegungen und Sachstandsabwägungen, viel Aufwand bei der Nachforschung und Erstellung von Konzepten, Einholung von Informationen und Preisindikationen. Alle Lösungsmöglichkeiten wurden mehrfach durchdacht und bewertet, die Einsatzerfahrungen der letzten 10 Jahre wurden dabei mit einbezogen.

Das aktuelle Fahrzeug wurde im Jahr 2002 als gebrauchter Bus vom Markt Teisnach beschafft, wurde und von den Aktiven der Feuerwehr in Eigenregie aus- und später mehrfach umgebaut, um ein Fahrzeug passend zu den örtlichen Gegebenheiten zur Verfügung zu haben. Mittlerweile sind aber die technischen Grenzen erreicht und der Zustand verschlechtert sich.

Gerade die Tatsachen, dass bei einem Großeinsatz (z.B. Industriebetriebe, Pflegeheime) die ersten zehn Minuten für die Abwicklung des Einsatzes maßgeblich sind, stellen die Feuerwehr Teisnach vor andere Herausforderungen wie vergleichbare Feuerwehren. Das in Teisnach auch der Aspekt Gefahrgut eine große Rolle spielt, zeigte sich in den letzten Jahren massiv.

Grundlagen für die Fahrzeugentscheidung waren eine Risiko- und Gefährdungsanalyse für den Schutzbereich der Feuerwehr Teisnach auf Basis der Vorgaben des Merkblattes „Feuerwehr-Bedarfsplanung“ und die Erfahrungen aus Einsätzen der letzten Jahre. Die Kostenschätzungen hinsichtlich der Finanzierbarkeit wahr uns ebenfalls sehr wichtig. Ebenfalls wurde die weitere Entwicklung in Teisnach und die anstehenden, zusätzlichen Aufgaben für die Feuerwehr Teisnach berücksichtigt.

Eine alternative Überlegung, das bisherige Fahrzeug durch einen Einsatzleitwagen ELW1 und einen Mannschaftstransportwagen MTW zu ersetzen, schien auf den ersten Blick aus Kostengründen nicht umsetzbar. Die Änderung der Fördersätze ergab jedoch, so dass für einen Einsatzleitwagen eine deutlich höhere Förderung zu erwarten ist, als für ein Mehrzweckfahrzeug. Beschaffungen von Feuerwehren außerhalb des „Tellerrandes“ von Niederbayern bestätigten uns, dass dort die gleichen Überlegungen getätigt wurden und der ELW 1 ein Fahrzeug mit großer Zukunft ist und nicht nur großen Feuerwehren bzw. Berufsfeuerwehren vorenthalten ist.

Zur Darstellung der Sachlage gab es, neben den diversen Vorbesprechungen, zwei Marktratssitzungen (wie in der Presse zu lesen war) und einen Vor-Ort-Termin mit der Gegenüberstellung von Fahrzeugen, um dem Marktrat die Unterschiede der Modelle zu zeigen.

Die Pressemitteilungen zu diesen Terminen und „Einflussnahmen“ von Dritten, waren dem Prozess einer sachlichen Meinungsbildung nicht dienlich und haben für einige Diskussionen gesorgt. Aussagen wie „Wunschfahrzeug“ oder „die Feuerwehr wünscht“ sind so nie gefallen und verzerren das Bild auf die Sachliche und professionelle Arbeit der Feuerwehren im Landkreis Regen. Die einzigen Wünsche der Feuerwehr sind, in Notlagen mit dem entsprechenden Gerät helfen zu können und möglichst wenig Einsatz zu haben.

Dem Marktrat wurden Schlussendlich drei Beschaffungsoptionen zur Entscheidung vorgelegt:

Konzept 1:

Ersatzbeschaffung für das vorhandene Mehrzweckfahrzeug durch einen Einsatzleitwagen „ELW 1“ und einen Kleintransporter mit fünf Sitzplätzen. Das Konzept ist nach Abzug der zu erwartenden Förderungen in etwa preisgleich mit Konzept 3. Vorteil ist, dass zwei wendige Fahrzeuge zur Verfügung stehen, bei denen eines fest für die Leitung von Einsätzen ausgerüstet ist und das zweite für andere Einsatzaufgaben wie Transporte, Erkundungen oder Messfahrten zur Verfügung steht. Beide Fahrzeuge können mit dem normalen PKW-Führerschein gefahren werden. „Nachteile“ sind der erhöhte Wartungs-, Ausbildungs- und Unterhaltsaufwand. Für die Feuerwehr Teisnach bedeutet es aber keinen zusätzlichen Aufwand, da im aktuellen MZF bereits wie in einem ELW gearbeitet wird und die Ausbildung in diesem Bereich dazugehört.

Konzept 2:

Ersatzbeschaffung des vorhandenen Mehrzweckfahrzeuges durch ein Mehrzweckfahrzeug mit Sonderausstattung (vergleichbar der aktuellen) zur Einsatzleitung und mindestens 6 Sitzplätzen. Dieser Lösungsvorschlag ist nicht förderfähig aufgrund seiner eingebauten Technik (wie in einem ELW 1) und somit deutlich teurer als Lösungsvorschlag 3. Zudem wäre das Fahrzeug deutlich größer und schwerer. Eventuell wird auch ein zulässiges Gesamtgewicht von 3,5 t überschritten und das Fahrzeug dürfte dann nicht mehr mit der Führerscheinklasse B gefahren werden bzw. ein zusätzlicher „Feuerwehrführerschein“ gemacht werden müsste.

Konzept 3:

Ersatzbeschaffung für das vorhandene Mehrzweckfahrzeug durch ein Mehrzweckfahrzeug nach gültiger Baurichtline (somit förderfähig) wie man es in Bayern kennt. Dieses Konzept ist nach Abzug der zu erwartenden Förderung am günstigesten. Die Nachteile sind jedoch, dass dieses Fahrzeug relativ groß ausfallen würde und vor allem Einbußen hinsichtlich der Einsatzleitung entstehen würden, der Personaltransport um 2 Personen vermindert wird und alle notwendigen Einsatzmittel im Heck verbaut werden müssten. Für Teisnach würde dieser Vorschlag einen definitiven Rückschritt bedeuten.

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Nach eingehender Diskussion wurde am 5. Oktober 2020 durch die Mehrheit des Marktrates beschlossen, das Konzept 1 umzusetzen. Falls alles nach derzeitiger Terminplanung verläuft, sollte im September 2021 der neue ELW 1 seinen Dienst aufnehmen, dann nämlich läuft der TÜV für das bisherige MZF aus.

Die nun beschlossene Ersatzbeschaffung ermöglicht es auch künftig, Einsätze in Teisnach zielgerichtet (und ohne aufwendige Kompromisse) abzuwickeln. Man hat die Erfahrungen aus vergangenen Einsätzen eingearbeitet und daraus gelernt. Die Ausstattung eines ELW 1 erleichtert dem Kommandanten oder Einsatzleiter die Führung von Einsätzen und spart auch Personal. Ebenfalls wird die Ausstattung Zeitgemäß und im Sinne der Digitalisierung eingebaut um für die nächsten Jahre best möglich gerüstet zu sein.

Der Kleintransporter kann logistische Aufgaben im Dienstbetrieb und bei Einsätzen übernehmen, für Gefahrgutmessungen, Erkundungsfahrten oder einfach nur zur Verkehrsabsicherung eingesetzt werden – ein unschätzbarer, zusätzlicher Vorteil der auch Kosten sparen kann (Stichwort Lohnausfall). Zudem ist für das Fahrzeug kein besonderer Führerschein erforderlich. Die beschlossenen Beschaffungen sind nach den Berechnungen aus der Feuerwehrbedarfsplanung für Teisnach bedarfsgerecht.

Die Feuerwehr Teisnach bedankt sich beim Marktrat für die Zukunftsweisende Entscheidung und sieht diese Beschaffung als gemeinsamen Schritt in die Zukunft und Sicherheit für die Bürger und Firmen in Teisnach.